Gary Panther

Das Skizzenbuch – der Komposthaufen des Gestalters

(Skizze oben: Gary Panther)

Als Gestalter zu arbeiten, bedeutet Ideen eine Form zu geben, im besten Fall sind es Eure Eigenen. Wer sein Skizzenbuch pflegt, sorgt für den nährstoffreichen Humus, aus dem Ideen prächtig wachsen können. Selbstverständlich, kann man einwenden,  gibt es Leben in jeder Wüste, aber es ist karg auf sandigem Boden. Ein Skizzenbuch ist wie ein Komposthaufen, der besonders fette, fruchtbare Erde hervorbringt, auf der Eure Ideen gut gedeihen.

Zeichnet, was Euch vor Augen kommt, notiert Ideen, spielt selbstvergessen mit den Formen ohne Anspruch auf Perfektion. Beim Skizzieren lernt ihr, spielerisch neue Formen entwickeln, und, wie es Joost Swarte formuliert: „mit dem Stift zu denken“.

Tyler Adam Smith, Graphic Designer: „Hand Thinking 
I am a firm believer in the merit of keeping a sketchbook. Many ideas are synthesized first by hand, some of which end up informing my work, and some prove themselves in those moments of realization to be genuinely misguided. Either way, this is an invaluable part of the way that I approach work.“
http://tyleradamsmith.ca

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Simples Naturstudium im Skizzenbuch bringt nicht zu unterschätzenden Nutzen. Zeichnung ist im Vergleich zur Fotographie ein zeitaufwändiges Verfahren, aber gerade die Umständlichkeit des Verfahrens sorgt dafür, dass der Zeichner das, was er zeichnet auch wirklich begreifen muss. Am Ende hat er nicht nur ein Bild auf dem Blatt, es ist auch in seinen Kopf eingeschrieben.

Mawil
Mawil

Wer kennt das nicht? Das Bild steht einem klar vor Augen, aber es lässt sich nicht aufs Papier übertragen.
Zeichnen trainiert die Verbindung zwischen Kopf und Hand. Um eine Vision im Kopf mit der Hand auf ein Blatt zu übersetzen braucht es eine störungsfreie Verbindung zwischen Kopf und Hand und die ist selten naturgegeben sondern muss durch regelmässiges Training geschmiert werden.

Dominique Goblet
Dominique Goblet

Naturstudium dient der Sensibilisierung und ist eine wichtige Wahrnehmungsübung. Der Zeichner muss im Gehirn vom oberflächlichen Schauen umzuschalten auf ein konzentriertes Sehen, dass ich salopp Vollbildmodus nennen könnte. Es ist eine für Gestalter essentielle Übung im Sehen. Beim Abzeichnen könnt Ihr lernen, zu zeichnen, was Ihr seht, und nicht, das was Ihr wisst. Die Unterschiede zwischen diesen Beiden Formen des Sehens sind bisweilen beträchtlich.

http://4.bp.blogspot.com/-yX93pfamccQ/VTFYyD12BTI/AAAAAAAAHdg/-HVtHOhUS1g/s1600/RBxxvii01%28JoshuaTree%29.jpg
Anders Nilsen

Simples Naturstudium trainiert Eure Konzentrationsfähigkeit. Wann ermüdet Eure Konzentration? Nach 30 Minuten? Nach 5 Minuten? Nach einer Stunde? Gönnt Euch eine kurze Pause. Die wichtigste Voraussetzung, um sich Pausen zu erlauben zu können ist die Fähigkeit, wieder zurückzukehren. Eine kurze Pause erfrischt, eine lange Pause lähmt.

Gary Panther
Gary Panther

Olympionike wird man nicht mit mittelmässigem Engagement, es braucht Talent und Besessenheit.
Skizzieren ist Euer Jogging. Im Skizzenbuch sollt Ihr spielen, ausprobieren, abzeichnen, umformen, kritzeln. Vorsicht: Nicht immer das selbe zeichnen, immer nur Schemata zu wiederholen kann stumpfsinnig machen. Den Künstler unterscheidet vom Sportler, dass verbissene Konzentration alleine nicht ausreicht.

Andreas Töpfer
Andreas Töpfer

Zeichnet Dinge, Menschen, Szenen aus Eurem Alltag. Dinge, Menschen, Szenen in ihren Konturen festzuhalten verschafft Euch einen umfangreichen Formenkatalog der äusseren Welt, die unser aller gemeinsame Referenz ist und Kommunikation erst möglich macht.

Tom Gauld
Tom Gauld

 

 

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